Hähnchen im Römertopf

Lasset uns Burgunder trinken und dabei kochen! Glaubt mir – es erhellt Seele und Geist. Ab einer gewissen Menge Burgunder schlägt die Helligkeit im Kopf aber rasant um!
Es ist mal wieder Zeit für ein Römertopf-Rezept.

Die Frage ist doch nicht, ob man Tiere mag. Sondern wie man sie zubereitet.

Die Zutaten

  • 2kg Hähnchen
  • Salz, Pfeffer, Thymian, Muskat, Estragon, 1 Lorbeerblatt
  • 1 Zitrone
  • 50g Butter
  • 1 Becher Joghurt
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Likörglas Weinbrand
  • 1 Fl. Burgunder (weiß)
  • 1 kl. Dose / Glas Champignons

Das braucht man …

Wir öffnen als erstes den Burgunder und probieren, wie er schmeckt. Dann stellen wir ihn tapfer beiseite.

Der Römertopf wird frühzeitig gewässert, was ihm zu einer hohen Langlebigkeit verhilft. Du kannst davon ausgehen, dass der Römertopf so ne halbe Stunde im Spülbecken liegt; sanft umplätschert von kaltem Wasser.

Hähnchen
Hähnchen (Bild: w.r.wagner / pixelio.de)

Derweil nehmen wir uns das Huhn oder Hähnchen vor.
Dieses wird einer Grundreinigung unterzogen. Oft findet man im Inneren der tiefgefrorenen Federviecher noch Beutel mit deren Innereien, welche wir aber entfernen … und wegschmeißen. Braucht kein Mensch. Anschließend tupfen wir das nasse, federlose Vieh mit Küchenkrepp trocken. Wer dies liebevoller handhaben möchte kann natürlich auch sein Badetuch dafür nehmen.

Ist das Hühnchen trocken reiben wir es mit Salz und Pfeffer ein. Beim Pfeffer gilt: mit Gefühl! Und für das Salz gilt:

Die Faustregel: pro Kilo Tier nimm 2 Teelöffel Salz.

Damit liege ich fast nie daneben. Das Tier wird also mit Salz und Pfeffer ordentlich eingerieben und anschließend in den Römertopf befördert, welcher sich inzwischen nicht mehr im Wasserbad befindet. Stell bitte sicher, dass sich im Moment nichts außer dem Hähnchen im Römertopf befindet. Ist beispielsweise noch viel Wasser dabei, so hast du vergessen, selbiges vorher auszukippen. Aber wem sage ich das: du hättest dies vermutlich schon gemerkt, als du das Hähnchen in den Topf versenkt hast. Stichwort: Verdrängung! Physik! (Ende des pädagogischen Teils dieses Rezept!)

Eine frische Zitrone dient uns als Zitronensaftspritzer. Die Spritzer spritzen wir locker über das Hühnchen. Damit ist die Vorbereitung fast abgeschlossen. Oha!

Gut 150 – 200ml Burgunder finden sich zu ihrem Erstaunen in einem Messbecher wieder. (Als gewissenhafter Römertopfkoch probierst du natürlich noch einmal den Wein. Er könnte schlecht geworden sein!) Ebenso verblüfft macht sich der Joghurt auf den Weg dazu. Die Verwirrung beider Inkredenzien wird durch das plötzliche Eingreifen eines Schneebesens gesteigert und auch durch das Hinzufügen von etwas Thymian, Estragon und Muskat nicht gelindert. Völlig durcheinander kippen wir alles in den Römertopf. Obacht: nicht über das Huhn, sondern daneben. Aber immer noch in den Römertopf. Wer hierbei den Römertopf verfehlt hat verloren und fängt mit diesem Step nochmal an. Nach dem Putzen!

Ein Bund Petersilie wird kleingehackt und rings um das Huhn verteilt; nicht darauf.
Jetzt klappen wir den Deckel zu und stellen mit Entzücken fest, dass das Hähnchen wirklich hineinpaßt. Ansonsten müssen wir ein wenig nachhelfen.

Schwupps die Ofentür geht auf, der Römertopf gleitet hinein und wir schließen den Ofen wieder, indes ein Gläschen Burgunder darauf lauert, unserem Gaumen eine Wohltat zu bescheren. Für 75 – 90min sagen wir Lebewohl. Zum Ofen, der mit 220°C ganz schön heiß schmollt!

Schnell noch die Champignons aus dem Glas in ein Sieb gegossen und irgendwo wiederauffindbar abgestellt.

Warten. Vielleicht noch das eine oder andere Schlückchen Burgunder.

Nach den ca. 90min nehmen wir den Römertopf aus dem Ofen, und stellen ihn auf ein Brettchen oder Küchentuch. Niemals auf die Arbeitsplatte stellen, wenn der Römertopf aus dem Ofen kommt. Es sei denn, man ist gewillt ihn zu töten und es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Das Hähnchen ist watteweich und wird vorsichtig in den Römertopf-Deckel gelegt und von dem bisschen Petersilienklein befreit. Ungeschlossen wird das Tier wieder in den Ofen befördert, damit das ganze eine knusprige Hülle erhält.

Die Sauce schütten wir durch ein Sieb in einen Topf und geben die Champignons dazu. Ein wenig Butter verfeinert das Gemenge. Kurz auföcheln lassen und dann auf kleiner Hitze weiterziehen lassen.

Nach 10min drehen wir das Hähnchen nochmal um und geben der bisherigen Unterseite auch noch Hitze zum Bräunen.

Die Sauce muß man nicht andicken! Wir mochten sie so wie sie war. Als letztes Schmankerl würzen wir die Sauce mit einem Likörglas Weinbrand. Auch hier wurde natürlich vorher ein Test der Bekömmlichkeit durchgeführt.

Dazu gabs bei uns einfach nur Brot zum tunken. Hmmmm … absolut lecker. Und da wir nicht das ganze Vieh geschafft haben, gabs am Folgetag “gesprengtes Huhn” – Hühner-Frikassee.

Veröffentlicht von

Jörg

Mein Name ist Jörg Dutschke und Roemertopf-Rezepte.de ist nur eine von verschiedenen Kochrezept-Seiten, die ich betreibe. Neben dieser Seite mit Rezepten für den Römertopf, widme ich eine dem Kochen mit dem Schnellkochtopf sowie eine weitere, mit anderen Rezepte, die weder mit Römertopf oder Schnellkochtopf gekocht werden: ichkochwas.de. Allen Rezepten auf meinen Seiten ist eine Sache gemein: Ich habe sie alle selbst gekocht und in - leider - epischer Länge notiert. Denn neben dem Kochen machen mir das Basteln von Webseiten sowie das Schreiben an sich sehr viel Spaß!

12 Gedanken zu „Hähnchen im Römertopf“

  1. Lieber Jörg,

    Dein Rezept ist toll – ich hab selten so gelacht beim Rezeptelesen und es sogar meinem Freund vorgelesen, der sich prompt eine Flasche Weißwein geöffnet hat. Leider hatten wir keinen Weißburgunder Zuhause. 🙂

    Noch viel toller finde ich deine Reinigungsanleitung – auf der Suche danach bin ich nämlich auf deine Seite gestoßen. Ich werd mich gleich mal an die Arbeit machen, der Römertopf ist nämlich aus dem Keller meiner Mutter und riecht nach Mäuselulu. Hoffe, der Essig wird das schaffen!

    Dankedanke & viele Grüße aus Kärnten,
    Stephanie

    1. Hallo Stephanie,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin immer heilfroh, wenn meine Rezepte erstens funktionieren und zweitens auch beim Lesen Spaß machen. Erzähl mir bitte unbedingt, ob du mir der Reinigung klar gekommen bist. Und … was du gekocht hast. 🙂 Es klappt nicht immer alles – das musste ich heute erst wieder erfahren. 🙂

      Viele Grüße vom Bodensee
      Jörg

  2. Das mit dem “das Huhn am Ende auf den Deckel legen” muss ich unbedingt mal ausprobieren!
    Hab mich erst gestern wieder über ein zwar zartes Hähnchen, aber mit “lädschiger” Haut geärgert.

  3. Ich hab laut gelacht, als ich das Rezept entdeckt habe. Leider war meine Variante nach gutdünken schon im Ofen, aber den Tipp mit den Deckel werde ich jetzt gleich ausprobieren.

    🙂

  4. Hallo Jörg, ich besitzen zwei Römertöpfe, habe sie aber schon lange nicht mehr benutzt, warum weiß ich auch nicht, einfach so.Ich habe ein gutes Rezept für ein Hähnchen gesucht und bin auf deine Seite gestoßen und dieses Rezept gefunden. Ich habe mir das Rezept durch gelesen und nach den ersten Sätzen schon leicht geschmuggelt, als ich mit dem Lesen fertig war, habe ich schallend gelacht. Genial, deine Schreibweise. Später bin ich noch einmal auf Deine Seite , um noch mehr Rezepte zu lesen. Einfach toll……übrigens, das Hähnchen war sehr lecker……. Mach weiter so. ??☺☺☺☺

    1. Liebe Angelika,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe auch im ersten Ansatz “geschmuggelt” als “geschmunzelt” interpretiert. Es gibt ja so viele Gegenden mit den verwirrendsten Wortnutzungen. Was dem einen sein “geschmunzelt” kann da durch aus des anderen “geschmuggelt” sein. 🙂
      Sonnige Grüße vom Bodensee
      Jörg

  5. Hallo Jörg, ich habe heute meinen erstes Römertopfmahl bereitet. Der Vogel hätte gern noch ein Viertelstündchen vertragen… Trotzdem war er sehr lecker und die Zubereitung genial einfach. ich koche liebend gern mit Alkohol, in und zum Essen ein grosser Genuss. Genau wie Dein Rezept, dass ich allen vorlesen musste…. Nichtinteressierte konnten sich derweil ihrem Glas widmen. Gern werde ich Deine anderen Rezepte ausprobieren. Liebe Grüsse, Sabine

  6. Hallo Jörg, bin auf deiner Seite gelandet, nachdem ich um 22:30 noch mein Essen für morgen vorbereiten muss, was eigentlich kein Spaß mehr ist. Das Hühnchen hat nämlich ein Verfallsdatum und das ist morgen – also muss ich mich noch eineinhalb Stunden selbst unterhalten, bis es jetzt fertig ist. Immerhin – das Lesen des Rezeptes war schon mal eine gelungene Abwechslung. Jetzt noch ein Buch und ein Glas Wein und dann schau mer mal, was draus geworden ist…

  7. Kochen mit Humor.
    Das finde ich super ,habe durch die tollen Rezepte
    den Römertopf neu entreckt.
    Das Hähnchen schmeckt super,besonders nach der Weinverkostung.
    Nun im ernst , werde den Wundertopf wieder offter verwenden.
    Gut wenn Besuch da ist, habe mehr Zeit zum Reden
    und für ein gutes Gläschen. also weiter so

  8. Hallo Jörg, nach einigen Fehlschlägen mit dem ‘öme’-Topf (ja, das kann vorkommen!!!) habe ich die Kiste frustriert in die Ecke gestellt, aber mit ausreichend Rotwein und Deinem Rezept hats jetzt wunderbar funktioniert (war eigentlich eine Notlösung, weil ich nicht genug grobes Meersalz für Göger im Salzteig daheim hatte…). Bei der Sache mit dem Deckel war ich mir nicht sicher, aber ich hatte ja nichts zu verlieren… hat geklappt, danke!!! und ich hab noch ein Glas auf Dein Wohl getrunken, lg Rosi

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